What we design, designs us back.

Michelle Christensen & Florian Conradi

Gender und design

 

Design formt die Wirklichkeit und wird zugleich von ihr geformt. Aus dieser Gestaltungsmacht ergibt sich eine große gesellschaftliche Verantwortung für ­Designer*innen. Dieser gesellschaftliche Dimension im Design trage ich mit meinem Engagement im Bereich Gender und Design Rechnung. Hier bin ich in Forschung, Vermittlung und Gestaltung tätig und bemühe mich um Sichtbarkeit des Themas Gender im Designdiskurs und der Öffentlichkeit.

Genderdesign begleitet mich seit meinem Studium an der KISD (damals: „Kölner Modell“, Fachbereich Design der FH Köln). Hier wurde das Fachgebiet durch Prof. Dr. Uta Brandes vertreten. Ich gehöre zu den Gründungsmitgliedern des 2013 von ihr ins Leben gerufenen international Gender Design Network (iGDN). Seit 2017 verleihen wir mit iGDN jährlich den iphiGenia Gender ­Design Award (2018 war ich Juryvorsitzende), um das Thema für die Öffentlichkeit greifbar und an Positiv-Beispielen verständlich zu machen.

Darüber hinaus führen wir Workshops und ­Projekte an Hochschulen zum Thema durch, um Gender im Designstudium zu verankern. Denn hier ist bis heute dieses alles durchdringende Thema kaum sichtbar. Dabei herrscht kein Mangel an klischeereichen „Designs“, die sich gezielt an Geschlechterstereotypen orientieren: in Werbung, im Produktdesign bis hin zur Gestaltung digitaler Anwendungen. Zugleich herrscht häufig Gender-Blindness was die Nutzer*innen-Perspektive betrifft – die Lebenswelt von Frauen und Männern unterscheidet sich strukturell sehr stark. Viele Designer*innen berücksichtigen diese Unterschiede nicht, oder adressieren die verschiedenen Geschlechter mit einem unconcious Bias und betrachten Gender zudem weiterhin nur als Dichotomie.

Die Gestaltungsperspektive erweitert sich darüber hinaus, sobald die intersektionale Sicht hinzukommt: Race, Ethnicity, und auch Disability sind häufig blinde Flecken in der Gestaltung. Sichtbar werden diese oft erst durch Dekonstruktion und Dekontextualisierung. Erst dann identifizieren Studierende die Bedeutung einzelner Designelemente, erkennen Bezüge und Konstruktionen.

Das Thema Gender haben inzwischen viele Marken für sich entdeckt: Kampagnen wie #likeagirl von Always oder die Gilette-Werbespots 2019 greifen das Thema für sich auf. (Ob hier nur „Pink-­Washing“ betrieben wird, ist eine andere Debatte.)

Für Studierende im Bereich Design ist es jedoch elementar zu lernen, welche Gestaltungskonzepte sich für gendersensibles Design anbieten, wie Stereotype vermieden werden und wie man möglichst alle Menschen dabei adäquat berücksichtigt. Das Thema schneidet alle Gestaltungsbereiche- und Aspekte: Typografie, Formen, Farbe, Material, Bildkonzepte, Raum, Interaktion.

jury, winners and team of the iphiGenia Gender Design Award 2023
Creative Talk Ankündigung Claudia Herling